Heider Rathaus – Planungsstopp kann teuer werden
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August 2026
In der Ratsversammlung am 19. August hat die Heider Politik beschlossen, die Planungen für den Bau eines neuen Heider Rathauses zu stoppen. Der für ein gefördertes Neubauprojekt vorgeschriebene und notwendige Realisierungswettbewerb für den Neubau eines Stadthauses in unserem Bahnhofsumfeld soll nun nicht (mehr) vorgenommen werden.
Das ist ein sehr ungewöhnlicher und erstaunlicher Vorgang! Seit ca. 15 Jahren ist bekannt, dass das Heider Rathaus - Anfang der 1960er Jahre gebaut - stark sanierungsbedürftig ist, die Brandschutzvorschriften nicht mehr erfüllt, energetisch völlig veraltet ist und den Raumbedarf der Verwaltung bei Weitem nicht erfüllt. Aus diesem Grund ist bereits das Bauamt vor genau zwei Jahren in das Telekomgebäude Am Kleinbahnhof umgezogen. Seitdem zahlt die Stadt dort Miete.
Mehrmals in den vergangenen 15 Jahren hat die Politik Aufträge zur Planung eines neuen Rathauses an die Verwaltung erteilt. Aufträge, die allesamt nicht unerhebliche Kosten, auch unter Einbeziehung externer Fachbüros, ausgelöst haben. So wurde auf Betreiben der Politik bereits jahrelang ein gemeinsames Dienstleistungszentrum mit dem Kreis Dithmarschen geplant. Es ist ja auch nur schwer zu verstehen, dass in unserer Stadt Heide als Standort von drei öffentlichen Verwaltungen (Kreis, Stadt und Amt Heider Umland) alle drei Verwaltungen einen Neubau oder Erweiterungen planen. Zum Bau eines gemeinsamen Gebäudes ("Drei Verwaltungen unter einem Dach.") konnte sich die Politik nicht entschließen. Das wäre aber aus Gründen von Synergien und Kosteneinsparungen ein großer Wurf gewesen. Und was wäre das für ein Leuchtturmprojekt für ganz Schleswig-Holstein geworden? Gemeinsame Sitzungsräume für drei Verwaltungen und Politik, ein gemeinsamer Eingangsbereich, eine gemeinsame IT und kurze Wege zu den Kolleg:innen der anderen Verwaltungen. Eine einzige Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger und damit flexibel zukunftsfähig auch für Veränderungen. Und hätten wir geschickt mit dem Land Schleswig-Holstein verhandelt, dann hätten wir für ein solch überregional bedeutsames Projekt sicherlich auch Fördermittel bekommen.
Für einen Neubau am Bahnhof wurden der Stadt erhebliche Fördermittel aus dem Städtebau in Aussicht gestellt. Denn die Bahnhofswestseite liegt in einem bereits bewilligten Fördergebiet. Aus diesem Grund hat die Ratsversammlung die Verwaltung im November 2023 beauftragt, die Planungen für einen Neubau bis zu einer genau definierten Planungsphase voranzutreiben. Dafür ist Geld geflossen, und dort sind viele Arbeitsstunden von Mitarbeitenden der Verwaltung und externen Fachleuten eingegangen. Als absehbar wurde, dass das Land Ende 2025 die Mittel aus der Städtebauförderung für Rathäuser streicht, haben wir uns vehement für eine Verlängerung der Frist eingesetzt - mit Erfolg.
Diese Frist wird nun verstreichen. Durch den Beschluss der Ratsversammlung bekommen wir die 10 Mio. Euro Fördermittel nicht. Die Probleme aber bleiben, Handlungsbedarf besteht weiterhin: Das Heider Rathaus ist stark sanierungsbedürftig, das Raumangebot ist weder zeitgemäß noch ausreichend. Sanierung oder Neubau? Bereits vor etwa 10 Jahren wurde festgestellt, dass die notwendige Komplettsanierung etwa so teuer wie ein Neubau sein würde. Aus diesem Grunde hat sich die Stadtpolitik ganz bewusst für den Neubau entschieden - ähnlich wie beim Schulzentrum - und die Planungen in Auftrag gegeben. Mittlerweile ist das Verhältnis Sanierung-Neubau vermutlich noch ungünstiger, zumal die Stadt für eine Sanierung keine Fördermittel bekommt. Aber verlässliche Zahlen hätten wir erst durch eine - zugegebenermaßen kostenintensive, aber vorgeschriebene - Planungstiefe bekommen.
Umso mehr erstaunt die Entscheidung der Heider Ratsversammlung: Kein Realisierungswettbewerb - stattdessen möge die Verwaltung die Kosten für alle möglichen Varianten ermitteln. Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wie bitte soll man die genauen Kosten ohne die fachlich notwendigen und vorgeschriebenen Planungsüberlegungen ermitteln? Und am Ende dieses diffusen Prüfauftrages, der ja auch wieder mit erheblichen zusätzlichen Kostenverbunden ist, steht dann wiederum ein Realisierungswettbewerb.
Bleibt noch anzumerken, dass wir den Auftrag hatten, in das Gebäude für ein neues Rathaus auch die Räumlichkeiten für die VHS (für die wir ebenfalls Miete zahlen) und die Stadtbibliothek einzuplanen. Dadurch wäre das Rathaus zu einem echten Stadt-Gebäude für die Bürgerinnen und Bürger geworden. Aus diesem Grunde war der Arbeitstitel auch nicht „Rathaus“, sondern "Stadthaus". Nun zahlen wir weiterhin Miete für das Bauamt und die VHS. Für das Rathaus, das schon lange nicht mehr die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, haben wir weiterhin keine Lösung.
Ja, die finanzielle Situation der Stadt ist prekär – sie ist es auch in den meisten anderen deutschen Städten. Und dennoch sind wir gesetzlich verpflichtet, die uns übertragenen Aufgaben zu erfüllen. Aus diesem Grunde bauen wir ein neues Schulzentrum und ein neues Feuerwehrgerätehaus, und wir sanieren unsere Schulen. Das ist richtig so! Der Sanierungsstau der vergangenen Jahrzehnte ist in Heide so groß wie in den meisten anderen Städten auch. Und daher sind wir verpflichtet, die Planungen für ein Stadthaus voranzutreiben und zumindest mal die Kosten zu ermitteln. Diese Kosten aber werden nun durch den Stopp der bereits fortgeschrittenen Fachplanungen mit Sicherheit weiter steigen. Mindestens um 10 Mio. Euro, die wir nun nicht mehr erhalten. Und um die Kosten für einen neuen Prüfauftrag. Für die Erkenntnis, dass die Kosten steigen, braucht es aber keinen Prüfauftrag!



